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Wenn der Vater mit dem Kinde …

© Ilka Meffert

In unserem Umfeld ist oft zu beobachten, wie aktiv sich Väter in die Kindererziehung einbringen. Sei es der Vater aus dem Bekanntenkreis, der liebevoll und stolz mit seinen Kindern den Tag gestaltet, oder auch der Vater, der sein Kind in die Kindertagesstätte bringt und abholt, sich in Krabbelgruppen zeigt oder sich interessiert und tatkräftig an Elternabenden oder anderen Veranstaltungen beteiligt. Bereits bevor das Kind geboren ist, zeigen viele werdende Väter großes Interesse. Sie besuchen beispielsweise mit der werdenden Mutter Geburtsvorbereitungskurse, Säuglingspflegekurse und sind selbst bei der Geburt ihres zukünftigen Kindes anwesend. Heutzutage sind Väter (fast) überall präsent und leisten ihren Teil in der Fürsorge und Erziehung der Kinder.

Das war nicht immer so: Noch in den 60er Jahren sprach man der Rolle des Vaters zu seinem Kind keine besondere Bedeutung bei. Er galt viel mehr als traditioneller Ernährer, der fast ausschließlich die Versorgerfunktion wahrnahm. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich jedoch ein Vatertypus der neuen Generation. Diesen kann man als partnerschaftlichen Mitgestalter des Familienlebens bezeichnen; besonders hervorzuheben ist sein Engagement und seine Verantwortung, die er übernimmt und dabei das generationsübergreifende Familiennetz einbezieht. In allen Vatermodellen ist er der Gestalter und Entwickler des Familiensystems, der Veränderungen durchführt, welche sich auf die Eltern-Kind-Beziehung und Entwicklung des Kindes auswirken.

Doch welche Rolle zeichnet den Vater aus? Warum ist er genau so wichtig wie die Mutter? Seine Rolle als „sensitiver Herausforderer“ macht ihn unter den Kindern sehr beliebt. Er lässt sie gewähren, ermuntert sie zum Entdecken und lässt sich selbst auch mal „wilder“ in das Spiel mit ein. Väter ahmen gern ihr Kind nach oder schneiden auch mal Grimassen; die Mutter hingegen hält engen Körperkontakt und beschäftigt sich „emotional beschützend“ mit dem Kind.

Diese emotionale beschützende Zuwendung ist natürlich sehr wichtig. Das Kind braucht aber auch Möglichkeiten, seinen Entdeckerdrang auszuleben und sich mit Rivalitäten und Aggressivität konstruktiv auseinanderzusetzen. Beispielsweise bringen Väter ihre Kinder öfter in „abenteuerliche“ Situationen, indem sie etwa das Baby in die Luft werfen und wieder auffangen. Der Säugling scheint aber zu wissen, dass ihm nicht passieren kann. Väter sind im Umgang mit dem Säugling oft ungestümer als die Mutter. Sie führen ihr Kind unbewusst an das Erlebnis der Schwerkraft oder der schnellen Bewegung heran.

Der Entdeckerdrang wird durch den Vater erheblich gefördert. Im Gegensatz zur Mutter setzt der Vater beispielsweise das Kind wieder auf das Dreirad, auch wenn es gestürzt ist. Er ermutigt es, konstruktiv mit Misserfolgen und Stress umzugehen, Frustrationen auszuhalten und Anstrengungsbereitschaft beim Lernen zu zeigen.

Für Mütter sind alle Babys Kinder. Der Vater unterscheidet jedoch sehr früh zwischen Tochter und Sohn. So sind die Spielaktivitäten mit der Tochter als sanft, vorsichtig und unterstützend zu bezeichnen. Dem Sohn hingegen wenden sich Väter wilder und direkter zu, aber auch strenger in der Disziplin beim Spiel. Zum Herumtollen stellen sich Väter gern selbst zur Verfügung. Dieses väterliche Spielverhalten stellt für die Geschlechtsrollenfindung des Kindes einen großen Wert dar.

Väter sind für die körperliche und psychische Entwicklung des Kindes sehr wichtig. Vater und Mutter ergänzen sich in ihren Rollen und sind wesentlich für eine positive Entwicklung des Kindes. Überträgt die Kindesmutter Verantwortung auf den Vater, wächst dieser mit seinen Aufgaben. Wichtig ist daher auch das Vertrauen auf mütterlicher Seite.

Deshalb: Liebe Mütter, lasst eure Männer ruhig etwas wilder mit den Kindern sein, vertraut darauf, dass ihr anderer Umgang mit dem Nachwuchs genau richtig ist fürs Kind. Und liebe Väter, traut euch, mit euren Kindern das zu tun, was ihnen den Rücken stärkt, sie herausfordert und ermutigt, die Welt zu erkunden und ihren eigenen Weg zu finden!

Antje Huyer, Erzieherin und Einrichtungsleiterin in der Integrativen Kindertagesstätte „Sonnenkäfer“ Niederbobritzsch

Literaturempfehlungen:

  • Ahnert, Lieselotte (2011): Wieviel Mutter braucht ein Kind? Bindung – Bildung – Betreuung: öffentlich und privat. Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg.
  • Ahnert, Lieselotte (Hg.) (2004): Frühe Bindung. Entstehung und Entwicklung. München: Ernst Reinhard Verlag.
  • Grossmann, Karin / Grossmann Klaus E. (2006) Bindungen – das Gefüge psychischer Sicherheit. Stuttgart: Klett- Cotta.
  • Le Camus, Jean (2003): Väter. Die Bedeutung des Vaters für die psychische Entwicklung des Kindes. Weinheim und Basel: Beltz Verlag.
Für Fragen und Hinweise steht unsere Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit, Birgit Andert, unter 0173/9603468 oder b.andert@kinderarche-sachsen.de zur Verfügung.