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Kinder und Kunst

© Kinderhaus "Sterntaler"

Wie soll das denn gehen? Interessieren sich Kinder denn für Kunst? Natürlich: Wenn wir Kunst als Ergebnis eines kreativen Prozesses sehen und Kreativität mit Mary Lou Cook beschreiben: „Kreativität heißt: Erfinden, Experimentieren, Risiken eingehen, Regeln brechen, Fehler machen und Spaß haben.“ Dann interessieren sich Kinder nicht nur für Kunst, sondern sind selbst die besten Künstler! Kinder besitzen die Fähigkeit, sich ursprünglich, unverbraucht, ehrlich und authentisch auszudrücken. In ihren Bildern nehmen sie uns mit in ihre Welt der Phantasie und sinnlichen Wahrnehmung. Sie treten mit uns in einen Dialog und – wenn wir es zulassen – in einen Austausch über „verborgene Dinge“. Es entwickeln sich emotionale Gefühle von Wohlbefinden und Geborgenheit. In der Vergangenheit wurde unseren Kindern vieles „vorgegeben“. Ich erinnere mich an viele gleiche Bilder mit Haus und Baum und in der rechten oberen Ecke schien stets die Sonne. Dies waren nie wirklich die Bilder der Kinder.

Trauen Sie sich, mit Ihren Kindern neue Dinge auszuprobieren, hantieren Sie gemeinsam mit verschiedenen Materialien! Gehen Sie spielerisch heran und wecken Sie die Neugier Ihrer Kinder und in sich selbst. Tauchen Sie ein in eine Welt des Erforschens und Experimentierens mit neuen Ideen! Haben Sie Geduld, Mut und Spaß! Schaffen Sie Freiräume und nehmen Sie sich Zeit! Sie werden erstaunt sein.

Es braucht nicht viel Material und Aufwand. Normalerweise benutzen unsere Kinder fast nur Buntstifte oder Wachsmalstifte und manchmal dürfen Kinder auch mit Farbe malen. Ich lade Sie und Ihre Kinder ein in eine etwas andere, neue, kreative Welt.

Wie wäre es zum Beispiel mit Zuckerkreide?

Bunte Tafelkreide wird in eine Lösung aus einer Tasse Wasser und zwei Teelöffeln Zucker eingeweicht, bis sie sprudelnd zu Boden sinkt. Zuckerkreide ist geschmeidig und haftet auf vielen verschiedenen Papiersorten. Ein Regenbogen mit der breiten Seite der Kreide gemalt ist ein farbliches Kunstwerk. Lassen Sie auch Ihre jüngeren Kinder mit Zuckerkreide malen. Die entstandenen bunten Papiere lassen sich zum Beispiel als Glückwunschkarten und ähnliches nutzen. Sie können mit Ihren Kindern Puzzle gestalten oder Formen ausschneiden, welche je nach Jahreszeit für Dekorationszwecke verwendet werden (Blumen, Schmetterlinge, Ostereier…). Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt! Krippenkinder lieben es ganz besonders zu „schmieren“.

Oder probieren Sie mit den Kindern den „Tischabdruck“. Einfach Farbe auf den Tisch geben (keine Angst; man kann alles problemlos wegwischen!) und dann mit einem Zeichenblatt (Pappe) abdrucken. Und schon haben Sie tolle Farbbilder, welche noch mit weiteren Farben und Techniken erweitert werden können. Auch diese Kunstwerke können noch beliebig zerschnitten und kreativ weiter verarbeitet werden (zum Beispiel mit anderen Papieren aufkleben).

Mit Haushaltsfolie und Farbe lassen sich ganz einfach Strukturbilder herstellen. Verschiedene Farben werden wässrig auf Papier aufgetragen, Haushaltsfolie darüber „knittern“ und trocknen lassen. Die Folie lässt sich problemlos ablösen. Mit Finelinern lassen sich die entstandenen Strukturen als zufällig entstandene Muster herausarbeiten.

Für Schulanfänger bestens geeignet ist eine spielerische Variante der Buchstabenverbindung, zum Beispiel des eigenen Namens. Buchstaben werden allein oder zu zweit abwechselnd in verschiedenen Formen, Größen, Anordnungen zu Papier gebracht. Die entstandenen Formverbindungen können zum Beispiel noch Augen, Zähne oder … bekommen. Die individuellen Kunstwerke sind zum Beispiel als Türschilder ein Hingucker.

Suchen Sie mit liebevoller Neugier gemeinsam mit Ihren Kindern nach unbekannten, faszinierenden, niemals zuvor gegangenen Wegen. Unsere Kinder entscheiden selbst, was gefällt und was sie schön finden. Eine Sonne darf auch eckig und blau sein! Knüpfen Sie an alle Interessen Ihrer Kinder an. Setzen Sie Ihren und den Ideenstrom Ihrer Kinder frei und Sie werden erfahren: Raum und Zeit nehmen uns mit in eine Selbstversunkenheit.

Tanz und Gesang machen so viel Spaß

Auch durch die Kunstformen Musik, Tanz und Gesang haben Kinder die Möglichkeit, sich auf ihre Art und Weise auszudrücken. Singen macht Spaß, bringt Genuss und Freude; im Gesang steckt ganz viel Kraft und die Möglichkeit, Gemeinschaft zu erleben. Kinder singen sehr gern; erinnern Sie sich noch an Lieder aus Ihrer eigenen Kinderzeit? „Suse liebe Suse“; „Liebe Schwester, tanz mit mir“ – die Klassiker von damals sind auch heute noch aktuell. Experimentieren Sie lautmalerisch mit den Texten, verbinden Sie Texte mit Geräuschen bzw. Bewegungen, z.B. Wind: blasen, fegen. Wirbeln; Bewegung: rennen, drehen, schlenkern; Geräusche: sch…, fff…, hui…, ho…

Während des Singens können verschiedene Hand- bzw. Körperbewegungen erfunden werden, so wird der Text mit Bewegung durch den Raum verbunden. Die körperliche Bewegung unterstützt die Erzeugung von Stimme und erleichtert das Behalten von Melodie und Text. Text und Melodie prägen sich so fast nebenbei ein (unsichtbares Lernen).

Schon die kleinste Bewegung ist Tanz. Tanzen Sie mit Ihren Kindern vorwärts, seitwärts mit geschlossenen Augen. Musik und Tanz können eine Einheit bilden. Musik regt zur Bewegung an und unterstützt den Tanz. Tanz ist die Möglichkeit, Musik darzustellen und erlebbar zu machen. Alle Sinne werden gleichzeitig angesprochen, die Körperwahrnehmung ermöglicht sich selbst zu spüren, zu begreifen, Nähe und Distanz auszuhalten. Legen Sie die Frage, ob körperlicher Ausdruck albern, uncool, peinlich ist, ad acta, eröffnen Sie sich eigentliche Räume des Tanzes und gewähren sich und Ihren Kindern Einlass in Empfindung, Sensibilität, Spürsinn, Reaktionsvermögen, Intuition, Verwandlung, Schönheit, Leidenschaft und nonverbalen Ausdruck. Bewegung zu Liedern ist einfacher, eigenes Singen intensiviert das Tun. Wo sich innere Räume öffnen und Empfindungstiefen Zugang gewähren, schwingt in der Tönung der Stimme der Klang des menschlichen Herzens.

Jeder Mensch hat ein Rhythmusgefühl, kann tanzen und musizieren. Klangvielfalt und Bewegungsdynamik wecken Lust zum Experimentieren. So kann alles zum Instrument werden. Untersuchen Sie mit Ihrem Kind verschiedene Gegenstände (z.B. Karton, Eimer, Holz…) nach ihrem Klang. Es muss nicht immer gleich die echte Trommel sein, auch ein Karton kann klingen. Durch das eigene Tun entsteht Aufmerksamkeit (kein Krach) und die Lust zum Probieren nimmt zu. Das Probieren ist die Kritzelphase der Musik. Ich wünsche Ihnen ganz viel Freude mit Ihren Kindern beim Malen, Tanzen, Singen, Musizieren… beim Ausprobieren und Entdecken der „Kunst“. 

Gabriele Bluhm, Facherzieherin für ästhetische Bildung im Kinderhaus „Sterntaler“ Crimmitschau

Für Fragen und Hinweise steht unsere Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit, Birgit Andert, unter 0173/9603468 oder b.andert@kinderarche-sachsen.de zur Verfügung.