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Aua, Aua... Guck mal, ich hab hier was... Ich glaub, ich bin krank...

© Ilka Meffert

Wir besten Eltern der Welt sind für unsere Kinder Götter in weiß, Ärzte aller Fachrichtungen, Wunderheiler, Seelsorger, Medizinmänner. Sie kommen zu uns, wenn sie gefallen sind, sich gestoßen haben, Schmerzen jeglicher Art empfinden, etwas Unbekanntes an ihrem Körper entdecken, Beistand brauchen. Und sie erwarten dann von uns: Trost und Heilung. Die eigentliche Wunde bzw. Verletzung zu versorgen ist das eine: Blutung stoppen, Wundversorgung, Pflaster oder Verband anlegen, eventuell einen Arzt aufsuchen. Diese Abläufe kann man in Erste-Hilfe-Kursen lernen. Das andere und (fast noch) wichtiger für ein schnelles Wieder-Wohlfühlen ist für Kinder, dass Eltern sich KÜMMERN, etwas TUN, sie UMSORGEN und VERARZTEN. Da hilft es, neben einem gut sortiertem Medizin- und Verbandsmaterialschrank noch etwas in petto zu haben, was es in keiner Apotheke zu kaufen gibt.

Ich habe beste Erfahrungen mit „Wundercreme“ gemacht. Das ist eine Dose Ringelblumensalbe aus der Drogerie, etwas aufgehübscht mit glitzerndem Papier. Diese Dose steht bei uns an einem besonderen Ort im Bad und wird nur bei besonderen Gelegenheiten hervorgeholt. Sparsam verwendet und liebevoll einmassiert hilft sie z.B. bei Beinschmerzen, Gestoßen-Schmerzen oder Bauchgrummeln.

Gerade bei kleineren Kindern kann auch heilender Gesang Wundersames bewirken. Entweder das bekannte „Heile, heile Segen“ oder ein schnell erdachter Text (passend zur „Verletzung“ und mit so viel spannenden Einfällen, dass Kinder unbedingt zuhören wollen) auf eine eingängige Melodie gedichtet. Elterliches Singen trifft auch immer den richtigen Ton und klingt für (kleine) Kinder nie schief. Dabei unbedingt die schmerzende Stelle streicheln und bei Bedarf das Lied mehrfach wiederholen.

Auch unser Atem ist ein Allheilmittel, welches Eltern immer am Mann haben. Je nach Bedarf kann das Bepusten der schmerzenden Stelle Kühlung bringen, aber auch hilfreich erwärmen. Dabei ist es wichtig, dies wirklich mit Bedacht und unter voller Aufmerksamkeit einzusetzen. Nicht mal schnell gepustet und dann Blick wieder aufs Smartphone – nein, ganz sachte und dicht am Schmerzpunkt eingesetzt, kann liebevolles Eltern-Pusten ganz schnell Tränen versiegen lassen.

Voller Körpereinsatz ist auch bei folgender hilfreicher Schmerz-Weg-Methode gefragt: das Kind hochnehmen, in die Arme schließen, dann an sich drücken und – ganz wichtig – sanft hin und her wiegen oder die schmerzende Stelle vorsichtig festhalten.

Es geht bei diesen Anregungen vor allem um eins: das Ernstnehmen des empfundenen Schmerzes des Kindes. Denn nur derjenige, der ihn empfindet, weiß, wie weh es wirklich tut. Da können wir auch nicht von uns auf andere schließen: das Schmerzempfinden ist sehr individuell. Vielleicht ist es auch oft keine körperliche Verletzung, die Kinder weinen lässt, wenn sie hinfallen. Aber vielleicht sind sie vom besten Freund gestoßen worden, haben beim Wettrennen verloren oder empfinden die ganze Welt gerade als furchtbar. Und gegen diese Art Schmerzen helfen nur drei Dinge: Zuwendung, Zuwendung und noch mehr Zuwendung.

Übrigens lassen sich die hier beschriebenen Methoden wunderbar miteinander kombinieren. Eine Überdosierung kann nicht erfolgen, denn der Patient entscheidet selbst über die notwendige Dosis. Negative Wechselwirkungen sind auch nicht bekannt...

Andrea Dolatkiewicz, Sozialpädagogin und Einrichtungsleiterin Naturkinderhaus Mulda

Für Fragen und Hinweise steht unsere Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit, Birgit Andert, unter 0173/9603468 oder b.andert@kinderarche-sachsen.de zur Verfügung.